Kanada -Yukon Floßtour Whitehorse – Dawson City
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Buschmann
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BeitragVerfasst am: 09.07.2007, 18:22    Titel: Kanada -Yukon Floßtour Whitehorse – Dawson City Antworten mit Zitat

Unser Vorhaben war, die alte Goldgräberroute von Whitehorse nach Dawson City mit dem Floß zu befahren. Der Zeitrahmen: 4 Wochen.
Da kommt natürlich einiges an Erlebnissen zusammen.
Deshalb werde ich den Bericht in verschiedenen Etappen posten (außerdem habe ich dann auch ein wenig mehr Zeit zum Schreiben Cool ).
Hier also nun der erste Teil: unsere Vorbereitung.

Grüße
Buschmann

Yukon 2007

Abflug am 5.6. ca. 12 Uhr in Frankfurt, wir fliegen „mit der Zeit“, landen am 5.6. praktisch zeitgleich in Whitehorse. Sehr glücklich
Der Start verzögerte sich wegen „US-Sicherheitsstandards“ um 45 Minuten. Die Maschine fliegt nach dem Stopp in Whitehorse weiter nach Anchorage in Alaska – und Alaska gehört nun mal leider zu den USA. Der Flugkapitän nimmt die ganze Sache mit Humor – wir auch.
So hält sich auch das Ausfüllen der Declaration Card für Kanada in Grenzen, ganz anders für die Passagiere, deren Flug in Whitehorse noch nicht zu Ende ist.
Naja....

Nach unserer Ankunft in Whitehorse steht Erkundung auf dem Dienstplan: Wo gibt’s Werkzeuge, Ausrüstung, Verpflegung und die Angellizenzen. Nachdem das geklärt ist und die Reihenfolge der Besorgungen für den nächsten Tag festgelegt wurde, gehen wir noch zum Natural Ressource Office. Nur hier gibt’s die Woodcutting Permit – und die brauchen wir, wenn wir ein Floß bauen wollen. Das Büro schließt um 16:30 Uhr, wir stehen um 16:29 Uhr vor der Tür – Präzisionsarbeit. Winken
Peer Rinks, Leiter des Office, zeigt uns auf einer Karte Waldbrandgebiete am Lake Laberge, etwa 80 km nördlich von Whitehorse, ideale Gegend um wirklich trockene Baumstämme für unser Raft zu finden. Sehr ausführlich wird er bei den Schilderungen der Gefahren, die auf uns lauern können. Nicht wenige haben auf dem Yukon ihr Leben gelassen, oftmals weil dieser meist so friedlich ausschauende Fluss einfach unterschätzt wurde.
Das Permit selbst ist zu guter letzt kostenlos.

Am nächsten Tag machen wir, wie geplant, die gesamten Besorgungen. Das ist absolut problemlos weil wir wissen, was wir brauchen und darüber hinaus nun auch wissen, wo wir es finden.
Das Werkzeug für den Floßbau ist sehr überschaubar Auf den Arm nehmen eine Säge, ein Beil – fertig. Daneben nehmen wir noch einen Spaten für den „Spatengang“ und zum Ausheben unseres standardmäßigen Grubenfeuers.
Die wichtigsten Materialien für unser Floß sind Seile, sie sollen alles zusammenhalten. Das wird sich später als ausgezeichnete Idee herausstellen.

Da der General Store genau gegenüber unserer Ausgangsstation liegt, fahren wir die eingekaufte Verpflegung mit dem Einkaufswagen direkt in unser Zimmer im Family Hotel. Auch wenn sehr viel dehydrierte Nahrung dabei ist, kommt doch ein enormes Gewicht zusammen – gut, dass wir mit dem Floß unterwegs sein werden und nicht alles tragen müssen.
Wir verteilen die Verpflegung möglichst gleichmäßig in große Müllsäcke, obwohl extrastark werden sie der langen Reise trotzdem bald Tribut zollen müssen.

Startklar – morgen geht’s los!
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mountain man
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BeitragVerfasst am: 09.07.2007, 19:03    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Buschmann,
schön wieder von dir zu hören. Bin mal gspannt wie euer Abenteuer weiter geht. Das mit dem großen Goldfund hat wohl nicht geklappt Weinen
Na ja, es ist auch in Deutschland schön Lachen

Grüße
Ingo
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Buschmann
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BeitragVerfasst am: 10.07.2007, 17:01    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Ingo,

ja, du hast Recht, das Gold ist doch nicht meine Sache. Winken
Zu unseren Goldwascherlebnissen schreib ich später mehr. In Dawson werden allerdings jährlich immer noch 2 Tonnen Gold gewonnen!

Grüße
Buschmann

und nun wieder weiter im Text...... Cool

7.6., Donnerstag – heute beginnt die eigentliche Tour.

Zunächst wollen wir „unser“ Waldbrandgebiet erreichen und dort das Floß bauen. Danach werden wir, wie die Goldgräber vor 100 Jahren, die Strecke bis Dawson mit dem Raft befahren. Für die erste Etappe haben wir deshalb noch 2 Kanus gemietet. Sie sollen uns bis Kilometer 122 bringen, das liegt im oberen Teil des Lake Laberges, etwa 10 Kilometer bevor der Yukon uns wieder in seine Strömung aufnimmt. Der gesamte See ist etwa 50 Kilometer lang. Plötzlich aufkommende Winde können ihn extrem tückisch machen, besonders wenn man zu weit in der Mitte fährt. Von Whitehorse bis zum Laberge sind es etwa 40 Kilometer.

Am frühen Morgen bringt Thorsten, unser deutsch-kanadischer Kanuverleiher, bei dem man auch alle anderen Utensilien wie Kaffeekannen, Kochtöpfe oder das Bärenspray ausleihen kann, uns mit seinem riesigen Pick-Up zu unserer Einsetzstelle in Whitehorse. Pilar, Marc, Martin und ich verstauen Ausrüstung, Verpflegung und Werkzeuge in den beiden Kanus – ganz anständig der Tiefgang, aber noch lange nicht im Grenzbereich.

Dann geht’s los. Mit einer Fließgeschwindigkeit von etwa 10 Stundenkilometern unterstützt der Yukon unser paddeln. Bis zum Lake Laberge geht es deshalb mühelos voran, und wir haben ausreichend Zeit uns an einigen Weißkopfseeadlern zu erfreuen – das ist schon ein majestätischer Anblick!
Der Yukon mündet ziemlich mittig in den Laberge, wir müssen dann auf die westliche Seite, dort ist unser Bauplatz. Wir dürfen uns dabei nicht in ständiger Ufernähe bewegen, weil wir sonst in eine rückläufige Bucht kommen und einen riesigen Umweg fahren würden. Zahlreiche Sandbänke erschweren zudem das Einhalten der Route in sicherer Ufernähe.
Also sind wir plötzlich da, wo wir nicht sein sollten – zu weit in der Mitte. Und wie es der Teufel will, kommt dann natürlich der Wind dazu! Windböen und Wellen brachten uns von einer kritischen Situation in die nächste – immer wieder runter auf die Knie, den Schwerpunkt ganz nach unten bringen! Marc und Martin brachten mehr Druck aufs Paddel und fuhren nun schon mehr als 100 Meter vor Pilar und mir – keine gute Ausgangslage, sollte eines der Kanus kentern.
Schließlich erreichten wir doch wieder Ufernähe und konnten anlanden – Order für die Zukunft: In ähnlichen Fällen bleibt der Trupp geschlossen!
Nach einer kurzen Pause geht’s weiter zur Jackfish Bay, unserem Lagerplatz für die erste Nacht. Überall am Lake Laberge wächst wilder Schnittlauch. Wir sammeln eine kräftige Handvoll und zum Abendessen gibt’s Rührei mit Tomaten und Schnittlauch. Heute haben wir etwa 46 Kilometer geschafft.

Am nächsten Tag wollen wir unseren Floßbauplatz erreichen, der ist nur noch gut 30 Kilometer entfernt. Allerdings befinden wir uns nun auf dem See, haben demnach keine Strömung, die uns unterstützt. Das war uns natürlich schon vorher bewusst, und wir hatten den Plan, über den See zu segeln. Also bauten wir die 2 Kanus zu einem Katamaran um. Das ist relativ einfach – einen dicken Ast über die beiden Querstreben der Kanus gebunden, Segelstange drauf und Segel dran. Als Segel hatten wir uns eine 6 mal 4 Meter große blaue Plastikplane im Canadian Tire besorgt.
Der Umbau geht rasch, allerdings haben wir beim Start eine Flaute. Das ist Pech, so wird doch gepaddelt. Mit den beiden zusammengebundenen Kanus geht das wesentlich besser als gedacht, wir kommen schneller voran, als wenn jedes Kanu solo fahren würde.
Nach einer Stunde frischt dann doch der Wind auf, wir setzen das Segel. Jetzt geht’s richtig flott zur Sache – und wie! Wir sind begeistert, so gut hatten wir uns das nicht vorgestellt.
Nach der nächsten Rast wieder Flaute – macht nichts, wir paddeln noch gemütlich 2 Stunden und erreichen unseren Floßbauplatz.
Viele abgestorbene Tannen warten schon darauf, von uns zu einem Raft verarbeitet zu werden. Außerdem findet sich hier massenhaft angeschwemmtes Holz und sogar Bretter. Einige scheinen ein klein wenig östlicher ihren Ursprung zu haben, auf ihnen steh der Schriftzug „Alberta“ – damit hat unser Floß schon seinen Namen.
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Buschmann
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BeitragVerfasst am: 11.07.2007, 13:57    Titel: Antworten mit Zitat

9.6., Samstag, wir beginnen mit dem Floßbau

Bei der Erkundung am Vortag hatten wir festgestellt, dass etwa 200 Meter von unserem Floßbaulager entfernt eine von vielen Tieren bevorzugte Wasserstelle war.
Ich fand das richtig Klasse, ließ es doch hoffen, dass wir wohl einige interessante Aufnahmen machen werden.
Dass unter anderem auch Wolfsspuren und die Abdrücke eines Schwarzbären dabei waren, hatte die Mitreisenden jedoch tiefer beeindruckt, als ich das erwartet hatte. Glücklicherweise konnten die Bedenken hinsichtlich des Beuteverhaltens, insbesondere von Bären, recht problemlos relativiert werden und die Tatsache, dass auf unserer Reise keiner von einem solchen verspeist worden ist, unterstützt meine Theorie. Sehr glücklich

Somit konnten wir nun unsere Aufmerksamkeit uneingeschränkt dem Floßbau widmen.
Wir waren uns darüber einig, dass es ein traditionelles „Log Raft“ werden solle, also ein Floß aus Baumstämmen ohne weitere Auftriebshilfen, wie ausgeschäumte Tonnen, Kanister oder ähnlichem. In unserem Gebiet waren die Bäume nicht nur alle schon tot, sie lagen auch alle schon am Boden. Das war nicht unbedingt zu unserem Vorteil, lagen sie doch eher wie überdimensionale Mikadostäbchen übereinander. Und auch hier liegen die Besten bekannterweise meist ganz unten und man muss oben erst mal wegräumen.
Trotzdem hatten wir in nur drei Stunden das gesamte Material für unser Floß zusammen, 19 Baumstämme mit einem Durchmesser von 20 – 25 Zentimetern. Entastet wurde an Ort und Stelle, dort wo die Bäume lagen, das erleichtert den Transport, Die einzigen, die etwas dagegen zu haben schienen, waren schwarmweise auftretende Moskitos. Uns rann der Schweiß unter den Moskitonetzen. Später stiegen wir dann fast gänzlich auf Muskol um, ein wirklich zuverlässiges Moskitospray.
Nachdem die 19 Stämme am Ufer in der Form ausgerichtet waren wie sie uns denn auch auf dem Wasser tragen sollten, wurden sie an beiden Enden eingekerbt, um die Querstreben, die dem Floß Stabilität geben, besser fixieren zu können.
Für den nächsten Tag nehmen wir uns den vollständigen Zusammenbau des Floßes vor, die Abfahrt wird für Montag, den 11. Juni geplant.

Am nächsten Tag kriechen wir seltsamerweise erst um 9 Uhr aus den Schlafsäcken – das muss sich ändern!
Nach dem Frühstück geht’s an die Arbeit. Sie wird sich schwieriger gestalten, als wir uns das vorgestellt hatten – Wind, Wellen, später kommt Regen dazu.
Zunächst rollen wir die 19 Baumstämme ins Wasser, Martin steht drin und richtet sie provisorisch aus. Er wird bald von Marc abgelöst werden, das Wasser ist saukalt!
Nachdem alle Stämme im Wasser liegen, werden sie vorne und hinten locker mit einem Seil zusammengezogen und fixiert. Dann legen wir ein paar Bretter quer über die Baumstämme. Nun kann man schon bequem darauf stehen. Stamm nach Stamm wird nun so gedreht, dass die Kerben oben liegen und dann mit der Querstrebe verbunden, zuerst auf der einen, dann auf der anderen Seite. Ausgerechnet heute starke Wellen – das erschwert das Unterfangen. Durch die ständige Bewegung der Hölzer werden Hände und Unterarme beim Durchführen der Schnüre des öfteren in Mitleidenschaft gezogen. Somit haben wir am Ende des Tages lediglich den Grundbau fertig stellen können – weniger als geplant. Unsere Abfahrt wird sich um einen halben, vielleicht einen Tag verzögern. Den Stapellauf feiern wir trotzdem am Abend mit einem Schluck Wodka!

Montag, 11. Juni, wir stehen um 10:30 Uhr auf! Das wird sich nicht mehr ändern! Unser Tagesablauf verschiebt sich total. Wir sind bis weit in die Nacht aktiv, schlafen dafür bis Mittags. Es wird hier nicht dunkel, irgendwann zwischen 2 und 3 in de Nacht wird’s etwas schummrig, um 5 ist es schon wieder taghell. Egal, ab jetzt geben wir uns dem Rhythmus hin.

Heute geht’s an die Filigranarbeit . Wir haben genügend Bretter gefunden, um unsere Lager- und Standfläche auf dem Raft eben und damit bequemer zu gestalten. Gleichzeitig kommen wir somit höher aus dem Wasser. Das wird sich später, wenn die Baumstämme mit Wasser voll gesogen sind, als sehr vorteilhaft erweisen. Auch die Halterung für unser Segel, das wir auf der ersten Etappe auf dem Lake Laberge einsetzen wollen, ist schnell montiert. Marc und Martin tüfteln an den Halterungen für die Ruderstangen. Das Floß wird später immer mit der Strömung schwimmen, kann mit den Rudern also nur seitlich versetzt werden. Allerdings wird dabei ein Gewicht von annähernd 2 Tonnen zu bewegen sein. Dementsprechend zuverlässig müssen Ruder und deren Halterungen sein. Marc und Martin machen ausgezeichnete Arbeit. Wir werden zwar später noch eine Verbesserung einbauen, aber der Prototyp ist schon Extraklasse!
Trotz unseres späten Tagesbeginns liegen wir gut in der Zeit. Das Floß ist fertig, wir beschließen, noch heute zu starten.



Zuletzt bearbeitet von Buschmann am 12.07.2007, 23:52, insgesamt einmal bearbeitet
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Nopsi
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BeitragVerfasst am: 12.07.2007, 13:30    Titel: Antworten mit Zitat

Tach an alle,

na endlich kommt hier mal wieder leben rein....super deine geschichte von der tour Buschmann. das klingt sehr einladent ist aber bestimmt nix für touristen Sehr glücklich wie mich Traurig hab da noch ein anliegen was jugendarbeit bzw aufarbeiten eines NSG hier in unserer heide betrifft. meinst ich kann so ne fragen hier los werden?? wenn ja unter welchem thema?

danke und gruß
nopsi
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Buschmann
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BeitragVerfasst am: 12.07.2007, 13:41    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Nopsi,

danke für die Blumen Sehr glücklich .

Und ja, mit deinen Fragen bist du in diesem Forum genau richtig.
Such den passenden Thread und rein damit.

Grüße
Buschmann

..... und damit gleich zur Fortsetzung der Reise Cool


Die Jungfernfahrt der „Alberta“

Da wir unsere beiden Kanus erst in Carmarcks abgeben werden, das liegt etwa bei Kilometer 350, also auf halber Strecke, können sie uns noch eine ganze Weile als „Packesel“ dienen. Das ist, gerade beim Start, natürlich eine sehr willkommene Gelegenheit, können wir doch die Fahreigenschaften des Floßes und das Verhalten beim Rudern zunächst mit weniger Gewicht testen.
Wir beladen die Kanus und binden eines links das andere rechts ans Floß. Wenn uns der Wind über mehrere Tage im Stich gelassen hätte, wollten wir das Floß mit den Kanus schleppen, das bleibt uns nun erspart. Ein letzter Kontrollgang – alles an Bord – dann los!
Gerudert wird vorne und hinten gleichzeitig, nur so lässt sich das Floß in eine Richtung bewegen. Wird nur ein Ruder bedient, hat das bestenfalls eine Drehung zur Folge.
Marc und Martin bringen uns mit wenigen Schlägen schnell einige Meter Richtung Seemitte, Pilar und ich helfen mit den Stakstangen nach. Der Wind bläst genau in nördliche Richtung – da wollen wir hin! Wir setzen das Segel, noch nicht wissend, auf welche Geschwindigkeit der Wind unser Raft bringen wird. Und wir sind erneut überrascht, es geht nicht so schnell, wie mit unserem Katamaran, aber durchaus zügig. Wir kommen gut voran.
Dass sich der Katamaran auch bei seitlichem Wind präzise steuern lässt, liegt auf der Hand. Das Floß dagegen zeigt sich wesentlich träger. Genau nördlich, da wo uns der Wind hin schob, ragte eine ausladende Landzunge in den Laberge. Das Eck ist nicht zu schaffen. Schon schrammen wir mit dem Ruder am Boden.
Marc, der für schwierige Situationen die Gummistiefel dabei hat, nimmt die Sache in die Hand. „Ich schieb uns da rum!“, und schon ist er im Wasser. Schnell wird er feststellen, dass für seinen Plan eine Wathose erforderlich gewesen wäre. Er bleibt gelassen, reißt ein paar Witze, auch wenn er fast bis zum Bauch im Wasser steht. Der Rest der heutigen Etappe ist problemlos. Wir steuern erneut auf einen felsigen Vorsprung zu, der liegt aber genau dort, wo wir ihn haben wollen, ein guter Platz für unser Nachtlager. Von hier sind es noch fünf Kilometer, bis der Yukon aus dem Laberge heraus seine Arbeit wieder aufnimmt. Von unserem Lagerplatz können wir den „Yukon-Eingang“ bereits deutlich sehen.

Am nächsten Tag stellt sich das Landzungenproblem nochmals ein. Diesmal arbeiten wir mit den Stakstangen, wir schieben das Floß in Kriechgeschwindigkeit Richtung Yukon – lange drei Stunden. Aber dann nimmt uns die Strömung doch auf. Das Manöverieren klappt bei den ersten Versuchen im Fließgewässer schon richtig gut. Wir schlagen unser Lager bei Kilometer 146 auf. Der Yukon zeigt sich auch gleich sehr „fischfreudig“. Nachdem wir die ersten beiden Fische im flachen Wasser haben stehen sehen, habe ich die Angel ausgepackt. Insgesamt vier Polaräschen sind an den Haken gegangen – ein großartiges Abendessen.



Zuletzt bearbeitet von Buschmann am 13.07.2007, 16:00, insgesamt einmal bearbeitet
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Buschmann
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BeitragVerfasst am: 13.07.2007, 15:23    Titel: Antworten mit Zitat

Vor dem Frühstück ziehe ich noch ein paar Mal den Blinker durch’s Wasser. Schon beim dritten Wurf hängt wieder eine Äsche dran – ein guter Tagesbeginn noch vor dem Kaffee!
Heute wollen wir bis Hootalinqua kommen, einer alten Holzfällersiedlung. Neben den zum Teil noch gut erhaltenen Holzfällerhütten wurden ein paar moderne Überdachungen für die Yukon-Reisenden errichtet, ebenso ein paar Toiletten.
Auf der rechten Seite mündet hier der Tesslin in den Yukon, er bringt gut und gerne noch mal dieselbe Wassermenge mit, allerdings auch sehr viel Schlamm, den er bei seiner langen Reise aus den Bergen aufgesammelt hat. Ab nun wird der Yukon immer trüber.
Auf der Fahrt zum Holzfällerlager sehen wir uns an der Natur satt – und natürlich werden auch weiterhin die Stellen „beblinkert“, die dazu einladen. Wir fahren an einem schilfbewachsenen Platz vorbei, leicht in einer Bucht gelegen mit sehr ruhigem Wasser – eigentlich der ideale Standplatz für einen Hecht. Mit zwei Meter Fließgeschwindigkeit pro Sekunde wird die Distanz zwischen dem Floß und dem vermutlichen Standplatz schnell größer. Nun werden es schon 25 Meter sein – der Blinker fliegt. Unmittelbar vor dem Schilf klatscht er ins Wasser.
Auch wenn kein Biss folgen sollte, lässt der Wurf das Herz höher schlagen, so präzise ist er! Doch der Biss kommt. Sofort mit dem Umklappen des Verschlussbügels der Rolle ist mächtig Zug auf der Schnur. „Das ist der Hecht!“, da bin ich mir sicher. Schnell ist er bis in Floßnähe gekurbelt, er leistet nicht viel Gegenwehr. Der alte Jäger zeigt sich vielmehr überrascht, dass er urplötzlich in der Rolle des Gejagten ist. Damit konnte er nicht rechnen.
55 Zentimeter, das ist schon ganz anständig. Es sollen noch zwei Äschen dazukommen, auch weil Marc nun endlich seinen ersten Fang macht.
Die zu einem Grill umgebaute Tonne in Hootalinqua ist für den Hecht gerade noch breit genug, die Polaräschen kommen in die Pfanne – ein fürstliches Mahl!

Nur wenige Meter nach Hootalinqua liegt mittig im Yukon eine Insel. Hier musste sich vor gut 50 Jahren der Raddampfer „Evelyn“ den Untiefen des Yukons geschlagen geben. Die Überreste des Wracks liegen irgendwo im wilden Pflanzengewirr auf der rechten Seite der Insel. Auf die rechte Seite werden wir es mit dem Floß nicht schaffen, zu stark drückt der Tesslin. Vielleicht können wir aber auf der linken Seite anlanden und uns zur anderen Seite durchschlagen. Der Wunsch bleibt Vision. Zu schnell ist die Strömung, da ist nichts zu machen. Auch für das zweite Wrack, die „Klondike“, die nur wenige Kilometer weiter liegen soll, sind wir zu schnell. Schade – vielleicht ein ander Mal!

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Buschmann
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BeitragVerfasst am: 14.07.2007, 19:13    Titel: Antworten mit Zitat

In der Folge werden ein paar kleinere Verbesserungen am Floß vorgenommen. Die Ruderhalterungen geben ein wenig nach, sie werden neu geschnürt, wir bauen links und rechts noch einen Baumstamm an, weil das Floß durch die voll gesogenen Stämme erheblich mehr Tiefgang hat. Es wird aber letztlich bei kleineren Reparaturen bleiben – der Prototyp, unsere „Alberta“, war uns ganz hervorragend gelungen!

Die Strömungsgeschwindigkeit nimmt langsam aber stetig zu, wir machen nun fast zehn Kilometer in der Stunde. Nicht nur deswegen gestaltet sich die Campsuche mitunter als schwieriges Experiment. Mal verhindert wildes Gestrüpp und Unterholz das Anlanden, mal ist der Steilhang zu hoch, um schnell genug zum nächsten Baumstamm zu gelangen und das Raft dort festzubinden. Das ist in der Regel meine Arbeit. Haben wir das Glück, am Anlandepunkt in ruhigeres Wasser zu kommen, ist das kein Problem. Oft aber herrschen zwei Meter Fließgeschwindigkeit pro Sekunde – auch in Ufernähe. Am Floß sind an beiden Seiten Seile befestigt, um unseren schwimmenden Untersatz an Land zu befestigen. Beim Anlanden wird das Floß damit zunächst abgebremst. Wir mussten, wollten wir denn so langsam ans Anlegen denken, unmittelbar am Ufer entlangkratzen und mit Argusaugen nach Stellen Ausschau halten, die zum einen brauchbaren Campground versprachen, auf der anderen Seite aber zumindest auch die Wahrscheinlichkeit der schnellen Floßbefestigung boten. Das Erkennen des möglichen Lagerplatzes mit machbarem Anlegeplatz bedeutete deshalb auch gleichzeitig immer: „Sprung!“ Ab diesem Moment begann für mich dann der Lauf gegen die Zeit. Den Blick nur auf den potentiellen Ankerpunkt gerichtet, muss die Strecke möglichst schnell überwunden werden, sonst ist das Floß weg! Erreiche ich den Punkt wie geplant, bleibt die Konzentration weiterhin ausschließlich beim Ankerprozess. Der Blick zum Floß würde wertvolle Zeit kosten und mich (wahrscheinlich) eine extrem anstrengende Durchschlageübung bis ich womöglich hunderte von Metern flussabwärts wieder zu meiner Floßmannschaft stoßen könnte. Nachdem ich den ausgemachten Baum erreiche, schlinge ich das Seit einmal herum. Das genügt, um eine so starke Hebelwirkung zu erzielen, damit das fast zwei Tonnen schwere Floß am Ufer zum Stehen kommt.

Zudem ist das Anlanden mit dem Floß immer eine Sekundenentscheidung. Verpassen wir einen guten Campground, ist er weg – zurück geht nicht. Auch überhängende Äste und, durch die stetige Unterspülung der Uferböschung durch den Yukon, umgestürzte, quer in den Fluss hineinragende Baumstämme machen uns mitunter das Leben schwer.

Bei Kilometer 318 wollen wir einen Lagerplatz anlaufen. Dort macht der Yukon eine scharfe Linkskurve. Dadurch, dass hier eine nur etwa 30 Meter vom Ufer entfernte Insel liegt, zieht uns dieser schmale Arm förmlich in seine Richtung. Aber genau dort steht im nur wenigen Zentimeter hohen Wasser ein kleiner Weidenstrauch. An dem kommen wir nicht vorbei! Das Floß hakt ein, das Heck ist schnell überflutet – nun wird’s ungemütlich! Aber bevor die unbeschreibliche Kraft des Wassers Schlimmeres mit uns machen kann, schiebt sich das Heck nach vorne – eine halbe Drehung und wir sind wieder im Fluss.

Auf unserer Flusskarte hat uns ein Bekannter, der den Yukon schon öfter befahren hat, an genau dieser Stelle, und zwar auf der Insel, eine gute Campmöglichkeit eingezeichnet. Wir sind skeptisch, ist doch bisher keine Vorhersage, die er uns mit Marker gemacht hatte, eingetreten. Weder die guten Fischplätze waren da, wo sie groß und fett in Rot geschrieben standen, noch die Lagerplätze. Die wirklich guten Plätze fanden wir immer woanders. Warum sollten wir uns diesmal drauf verlassen?
Wir können auf der Insel keinen Anlandepunkt ausmachen. Ich entscheide: „Nach links!“ – das ist das Festland. Marc und Martin legen sich in die Riemen. Wir machen am Ufer eine gute Anlegemöglichkeit aus – da sehen wir auf der Insel einen der schönsten Campplätze an uns vorbeiziehen – So ist das Leben….. Winken
Wir werden die Nacht schräg gegenüber campieren Wir weinen der Sache keine Träne nach, auch unser Lagerplatz kann sich durchaus sehen lassen!

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BeitragVerfasst am: 15.07.2007, 17:37    Titel: Antworten mit Zitat

17.6.., Kilometer 350, Carmarcks

Das ist auf der Strecke praktisch der einzige Halt in der Zivilisation. Hier gibt es einen Store, ein Restaurant, eine Bar und ein öffentliches Laundry, in dem wir unsere Kleider waschen und endlich mal wieder eine Dusche genießen können.

Nach einer langgezogenen Linkskurve läuft der Yukon zügig in Carmarcks ein. Kurz vor dieser Kurve sehen wir ein großes weißes Schild am linken Ufer „Campground 2 km“. Dort möchten wir hin, hier werden wir die beiden Kanus abgeben und danach nur noch mit dem Floß weiterfahren. Was sagte Thorsten, auf welcher Seite soll der Campingplatz liegen? Nach meiner Erinnerung war es links, ich bin mir aber nicht ganz sicher. Die anderen sind das genauso wenig. Das Schild selbst gibt darüber auch keine Auskunft. Die Tatsache aber, dass es auf der linken Seite angebracht ist, lässt vermuten, dass sich auch unser Anlandepunkt links befinden wird. Das erscheint uns allen logisch, also bleiben wir möglichst weit links. Die Linkskurve wird uns in ihrer Hauptströmung ohnehin ein wenig nach rechts ziehen, so wollen wir versuchen, dort nicht zu stark hineinzugeraten. Am Ende der Kurve sehen wir ein weiteres Schild „Campground“ – nun auf der rechten Seite. Und wenige Meter weiter ist er auch, der Campground – und zwar rechts!

Es folgt ein kurzer, heftiger Kampf gegen den Yukon – den kann man nicht gewinnen. Unser Campgelände zieht an uns vorbei. Ok, das ist noch kein Beinbruch. Obwohl Carmarcks nur eine Handvoll Einwohner hat, ist das Örtchen doch, so wie alles hier in Kanada, auf eine sehr breite Fläche verteilt, und das eigentliche Leben spielt sich erst ein paar hundert Meter weiter flussabwärts ab. Dort befindet sich die einzige Brücke zwischen Whitehorse und Dawson. Dahinter MÜSSEN wir anlegen, ansonsten war’s das mit Proviantaufbesserung, warmer Dusche und kaltem Bier.

Diese Annehmlichkeiten vor Augen setzt Kräfte frei, trotzdem fordert uns der Kraftakt, wieder zurück zum linken Ufer zu rudern, alles ab. Aber es gelingt. Der Haken an der Sache: die Strömung ist hier enorm stark – da steht uns noch was bevor. Links hinter der Brücke befindet sich eine kleine Bucht – der Anlegeplatz vom ehemaligen Campground. Dort ist das Wasser stehend, vielleicht sogar rückläufig. Das heißt für uns, wir müssen direkt nach dem Brückenpfeiler alle Kraft nach links werfen. Die hintere Ruderhalterung hat sich zwischenzeitlich schon wieder stark gelockert. Schon vor der Brücke setzen wir das Floß so weit wie möglich an die linke Seite. Wir streifen ein paar Sträucher. Ein Paddel, das im Kanu einfach nur zwischen den Rucksäcken eingesteckt war, verfängt sich im Gestrüpp, im nächsten Moment hat es sich der Yukon einverleibt.
Wir rauschen förmlich unter der Brücke durch. „Jetzt!“ Mit wenigen starken Ruderschlägen gelingt es tatsächlich, das Floß aus dem stärksten Sog herauszuziehen! Wir werden langsamer. Doch auch hier stellt sich uns noch ein kleines Weidenbäumchen am Uferrand in den Weg. Erneut kommen wir nicht vorbei. Wir haken am rechten Bug ein. Das Raft ist immer noch verhältnismäßig schnell, so verschiebt sich der gesamte Unterbau diagonal, Wasser tritt über das Heck bevor die Macht des Wassers es nach vorne schiebt. Eine halbe Drehung, noch zwei Ruderschläge und wir sind angelandet. Die Ruderhalterung hängt nur noch an einem Faden!

Das Bier heute Abend ist redlich verdient! Wir genehmigen uns einen Tag Erholung, waschen, duschen, kaufen ein wenig ein und bringen das Floß wieder auf Vordermann. In zwei Tagen erwarten uns die „Five Finger Rapids“, einer der Höhepunkte für jeden Yukon-Reisenden. Für diese Stromschnellen wollen wir vorbereitet sein, sowohl materialmäßig als auch mental.
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alfonsospringer
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Wohnort: Goslar

BeitragVerfasst am: 15.07.2007, 17:42    Titel: Antworten mit Zitat

Hört sich einfach klasse an! Ich wär zu gern dabei gewesen Traurig
Dafür gehts aber bald ab nach Schweden zwei Wochen lang kanufahren.

ps: schön, dass wir mal wieder gutes Wetter haben (bei uns sinds 32° C)
_________________
Namasté
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