Atomenergie vs. CO ² Ausstoß = -Teufel vs. Beelzebub?

 
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Buschmann
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BeitragVerfasst am: 11.07.2008, 21:16    Titel: Atomenergie vs. CO ² Ausstoß = -Teufel vs. Beelzebub? Antworten mit Zitat

Mit zunehmender Verängstigung durch die steigenden Energiekosten erhält die Lobby der Atomenergiebefürworter und -betreiber neuen Aufwind. Viele Menschen klammern sich an den Strohhalm Atomenergie, um ihre Lebenshaltungskosten in irgendeiner Form noch überschaubar und berechenbar zu machen.

Dass der Bericht in unserer Tagespresse am 9. Juli „Uran aus einem AKW in Frankreich ausgetreten“, genau so groß ist wie derjenige, der besagt, dass in der Ländgasse ein „herrenloses Damenrad“ aufgefunden wurde, muss nicht zwangsläufig daran liegen, dass meine Tageszeitung eine bayerische ist.
Die Sensibilität für objektive Risikoanalysen ist der kurzfristigen Wohlstandserhaltensstrategie gewichen. Sicherheit allerdings sieht anders aus.

Auf der einen Seite ist es ja ganz amüsant, dass man in heutiger Zeit wieder den lang vergessenen Hofnarren ausgräbt, der die Kernkraft als Öko-Energie entdeckt.
Auf der anderen Seite ist es ärgerlich, dass ein solcher Scharlatan dafür auch noch Steuergelder vereinnahmt.

Wie dem auch sei…
Was mich erschreckt, ist zum einen, dass die Entsorgung der Abfälle dieser Energiegewinnung nicht im Geringsten sichergestellt ist und schlicht und ergreifend auf zukünftige Generationen „verlagert“ wird.
Die andere Seite ist der Krieg, den jetzt keiner beim Namen nennt, der aber spürbar in der Luft liegt.

Vielleicht lieg ich ja ganz falsch…..

Grüße
Buschmann
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Tourix
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BeitragVerfasst am: 12.07.2008, 23:02    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Buschmann,
du liegst nicht verkehrt.
Hier noch ein Link zu einem "Endlager":
http://www.taz.de/1/zukunft/umwelt/artikel/1/illegales-endlager-asse-leckt/

Zu Atomkraftwerke:
Stromkunden sparen mit Atomkraft nur 50 Cent im Monat
Beim Austausch einer einzigen 60-Watt-Glühbirne durch eine Energiesparlampe könne man mehr Geld sparen.
Diese Zahlen wurden von einem Verbraucherschützer anlässlich der geforderten längeren Laufzeiten der AKWs ausgerechnet:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,564348,00.html

Zudem gibt es das Problem, dass es wohl bald, besonders bei vielen Neubauten und Laufzeitverlängerungen zu einem Peak-Uran, also zu einer maximalen Fördermenge, die nicht mehr überschritten werden kann. Das bedeutet, dasses eine Schere zwischen Angebot und Nachfrage geben wird und der derzeit noch billige Atomstrom sehr teuer werden kann.
http://www.greenpeace.de/fileadmin/gpd/user_upload/themen/atomkraft/uranreport2006_lf.pdf
Der Bericht von Greenpeace ist bei näherem Durchsehen jedoch eher zweischneidig.
Deutlich besser und auch fundierter ist folgender Bericht:
http://www.nuclear-free.com/deutsch/traube3.htm

Jede Menge weiterer Links, auch zu anderen Energien findet man hier:
http://www.peak-oil-forum.de/index.php
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Buschmann
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BeitragVerfasst am: 12.07.2008, 23:56    Titel: Antworten mit Zitat

Tourix, wie immer eine sehr ausführliche, sauber geführte Recherche, Danke!

Für den Abbau der Radioaktivität werden derzeit 250.000 (in Worten zweihundertfünfzigtausend) Jahre veranschlagt.
Ich bitte, die Links von Tourix einmal genau zu betrachten.
Schon heute sind die ersten Endlager „undicht“ (Ich würde hier gerne Zitate anführen. Die würden die Gesamtdarstellung aber nur verwässern.)

Auch zur Preisentwicklung nimmt keine seriöse Fernseh- oder andere Medienanstalt ein Blatt vor den Mund. Die wird sich, mit oder ohne Atomenergie, für viele kaum mehr tragbar gestalten. Es sei denn, wir nehmen uns die Ratschläge zur Energieeinsparung (die werden uns noch nicht einmal in unserem Wohlstand einschränken) ernsthaft zu Herzen.

Gerade heute wurde die Debatte um längere Laufzeiten, ja sogar der Neubau von Kernanlagen, neu angeheizt.
Und gerade heute schreibt mein bayerisches Blatt in einem 5 mal 5 Zentimeter großen Beitrag Bezug nehmend auf ein Vorkommnis in Stockholm: „Handwerker verursachen Feuer in Atomreaktor“.
Da mag der hellhörige Leser doch schon mal ins Grübeln geraten, wie viel Schmiergeld wohl nötig sei, um das alles zu verniedlichen…..

Dass sich viele Politiker derzeit das Wort „Klima“ auf die Fahne schreiben, ist doch eigentlich der Hohn.

....oder?

Grüße
Buschmann
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Tourix
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BeitragVerfasst am: 13.07.2008, 20:50    Titel: Antworten mit Zitat

Es spielt etwas anderes ein ganz große Rolle.
Die Energieknappheit.
Dabei bildet sich eine Schere zwischen Angebot und Nachfrage,
mit der Wirkung, dass sich die Preise (stark) erhöhen.

Zur Beruhigung werden Nebelkerzen gezündet, wie zum Beispiel die Spekulanten wären schuld, oder es wird alles aus Klimagründen gedrosselt.
Auch die Atomkraftwerke dienen, neben dem Profit für die Betreiber,immer mehr auch dazu um den Wohlstandsstatus halten zu können.
Nur wie ich oben schon schilderte, kann man allenfalls eine kurze Laufzeitverlängerung der modernsten Atomkraftwerke für sinnvoll halten. Neubauten sind nur was für naive Fantasten oder für Leute, die davon profitieren.

Bei den erneuerbaren Energien (EE) geht die Entwicklung teilweise nicht voran.
So wird die Wasserkraft verteufelt, obwohl die meisten Argumente schnell entkräftet sind.
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Buschmann
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BeitragVerfasst am: 13.07.2008, 21:34    Titel: Antworten mit Zitat

Da bin ich überall auf deiner Seite.
Aber gerade der Bericht von Prof. Klaus Traube (aus einem deiner obigen Links) schildert doch sehr objektiv die damit potentiell verbundene Kriegswahrscheinlichkeit.
Aus den unterschiedlichsten Lagern vernehme ich mehr und mehr Stimmen, die besagen, dass die gleichen Kriegstreiber, die vor knapp 6 Jahren den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg im Irak gefordert haben und heute zu großen Teilen in unserer Regierung sitzen, nun endlich den Krieg im eigenen Land haben wollen.
Ich find’s etwas weit hergeholt, aber wer weiß…

Grüße
Buschmann
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Tourix
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BeitragVerfasst am: 14.07.2008, 22:17    Titel: Antworten mit Zitat

Eine Kriegsgefahr sehe ich von Jahr zu Jahr geringer werden.
Die eroberbaren Ölreserven sind entweder nicht beherschbar, wie im Irak (im Iran dürfte das noch viel schwerer werden) oder sie werden immer kleiner, so dass sich die Mühe nicht lohnt. Z. B.: Die Entdeckung eines ölfesldes vor der Küste Brasiliens, dass durch die Medien ging. Die gefeierten 6 Milliarden Barrel Öl sind von der Zahl her natürlich eine gewaltige Menge Öl. Aber bei einem Tagesverbrauch von ca. 85 Millionen Barrel reicht das gewaltige Ölfeld gerade mal 70,5 Tage lang!
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BeitragVerfasst am: 29.07.2008, 09:56    Titel: Antworten mit Zitat

Nun, einen Punkt verschweigt die Atomlobby immer. Den Wirkungsgrad. Der liegt beim gebräuchlichen Druckwasser-Reaktor bei gerade mal 1 % (!). Wenn man dann den Abbau des Urans und die Herstellung der Brennstäbe mit hinzurechnet, schrumpft der Wirkungsgrad auf schlappe 0,7 % (!!) zusammen. Und dann soll noch mal jemand behaupten, der Wirkungsgrad der Photovoltaik sei miserabel Cool

Es gibt auch Reaktortypen (Schwerwasser-Reaktor, Hochtemperatur-Reaktor, etc.) mit einem höheren Wirkungsgrad, aber die sind schwerer zu beherrschen. Wie man immer wieder sieht, stellt ja der verhältnismäßig simple Druckwasser-Reaktor die Technik immer wieder vor Probleme.

Und noch ein Problem wird verschwiegen. Wenn man jetzt die Atomkraft forciert, wird sich kaum noch jemand dranmachen, alternative Energieträger zu entwickeln, bzw. weiterentwickeln. Schließlich ist ja billiger Strom da. Aber wie lange?

Und schon sind wir beim nächsten Punkt. Uran wächst nicht auf Bäumen, es kommt aus dem Boden und ist irgendwann aufgebraucht. Nach derzeitigem Stand reicht Uran noch knappe 70 Jahre. Der Preis ist von etwa 40 $/kg im Jahre 2003 auf etwa 350 $/kg Mitte 2007 hochgeschnalzt.

So viel zum Thema "Energie für die Zukunft" Mit den Augen rollen

Wie man es dreht und wendet - wer weder total verblödet ist (leider habe ich den Eindruck, daß dem bei vielen Leuten so sei), noch von der Lobby geschmiert wird, erkennt, daß kein Weg an nachhaltigen Energieträgern vorbeiführt. Die Natur bietet alles, was man braucht. Nur sind die Techniken, diese naturgegebene Energie nutzbar zu machen, derzeit eher rudimentär. Und daran muß man was ändern, sehr gute Ansätze gibt es genüge. Und selbst mit der derzeit rudimentären Technik ließe sich der Energiebedarf decken. Ganz ohne Atom und ohne Verbrennung.

Dazu ein Beispiel. Das Auto mit E-Antrieb. Was ist das Problem? Batterien mit brauchbarer Reichweite. Die Lösung gab es schon vor langer Zeit. Früher tauschte man die Pferde aus, wenn man eine lange Strecke zu bewältigen hatte. Es wurde eine Pause gemacht und "neue" Pferde angespannt. Warum übernimmt man dieses Prinzip nicht für Autos und deren Batterien? Man fährt an die Tanke, zieht die leere Batterie aus ihrem Fach und schiebt eine volle Batterie rein. Weiter geht's. Die leere Batterie wird an der Tanke wieder aufgeladen. Die Tanke hat viele Batterien da, welche bei jedem neuen Auto mitgeliefert wird. Die Batterien nicht alle gleich, kleine Autos haben eine Batterie, große Autos mehrere davon. Beim Auswechseln der Batterien an der Tanke zahlt man einen Obolus für das Aufladen, der auch die Anschaffung neuer Batterien abdeckt. Das System wäre billig und man bräuchte keine neue Infrastruktur aufbauen.

Grüße

Replay
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Buschmann
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BeitragVerfasst am: 29.07.2008, 20:20    Titel: Antworten mit Zitat

Ja, Replay, das klingt sehr sympathisch….
Aber irgendwie habe ich den Eindruck, speziell der Deutsche ist für diese Technik noch lange nicht reif. Es scheint immer noch viel zu viel Phallussymbolik auf diesen vier Rädern zu bestehen.

Grüße
Buschmann
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Replay
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BeitragVerfasst am: 29.07.2008, 21:09    Titel: Antworten mit Zitat

Klar, für die meisten Deutschen ist das Auto nach wie vor eine Schwanzverlängerung in Stahl und Chrom. Ein Zusammenschluß japanischer Autohersteller überlegt sich indes gerade, wie die Norm-Batterie für das E-Auto aussehen wird. Es wird aber nicht an ein Wechselsystem der Batterien gedacht, zumindest derzeit noch nicht. Aber ich denke, daß die Entwicklung auf ein Wechselsystem hinausläuft, wenn es nicht recht bald eine Batterie mit enormer Kapazität und extremer Schnelladefähigkeit gibt. Und dazu die passenden Steckdosen, weil man mit 230 Volt und 16 Ampere einer normalen Steckdose keinen Hund hinterm Ofen hervorlocken kann und keine ordentliche Batterie für einen Autoantrieb in vertretbarer Zeit aufgeladen bekommt. Aus einer Steckdose kommen 3,68 Kilowatt (230 Volt mal 16 Ampere = 3680 Watt) Leistung, man kann also in einer Stunde rund 3,68 / 1,4 = 2,63 kWh Energie in einer Batterie speichern. Die 1,4 berücksichtigen die Verlustleistung durch den Ladevorgang, weil die elektrische Energie chemisch in der Batterie gespeichert, also umgewandelt, wird.

Und da schließt sich der Kreis. Wenn die Autos (zumindest rund um Deutschland, in Portugal wird gerade eine Infrastruktur mit "Elektrotankstellen" aufgebaut, mit Technik aus den USA und Japan) elektrisch fahren, muß der Strom dafür irgendwo herkommen. Man braucht also deutlich mehr elektrische Energie als heute. Und wo die herkommen soll, muß wohlüberlegt sein. Atomkraft ist jedenfalls keine Option für die Zukunft. Die Politik dürfte das wissen, aber es geht auch hier mal wieder um die wirtschaftlichen Interessen einiger großer Konzerne. Und das ist es, was ich unserer Prinzessin aus der Uckermark und deren Gefolge ankreide.

Aber ich denke, daß wir hier diskutieren können bis die Tastaturen qualmen, es wird wohl oder übel auf eine Laufzeitverlängerung der AKWs hinauslaufen. Man kann bloß selbst Konsequenzen daraus ziehen und einen der ganz wenigen, echten Ökostromanbieter wählen, welche skalierbar sind und logischerweise keinen Atomstrom (und Kohlestrom) anbieten.

Grüße

Replay
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